Komplexe Zahlen
Viele Gleichungen — schon x²+1=0 — haben keine Lösung innerhalb der reellen Zahlen. Die komplexen Zahlen erweitern ℝ um eine neue Zahl i mit i²=−1 und schließen damit diese Lücke. Dieses Kapitel legt die Rechenregeln, die geometrische Deutung und die für spätere Kapitel wichtigen Grenzwertbegriffe komplexer Zahlen.
1.1 Grundrechenarten, Betrag und die Gaußsche Zahlenebene
Eine komplexe Zahl z = x + iy besteht aus einem Realteil Re(z) = x und einem Imaginärteil Im(z) = y, wobei x, y ∈ ℝ und i die imaginäre Einheit mit i² = −1 ist. Addition und Subtraktion erfolgen komponentenweise: (a+ib) ± (c+id) = (a±c) + i(b±d). Bei der Multiplikation wird ausmultipliziert und i² = −1 eingesetzt: (a+ib)(c+id) = (ac−bd) + i(ad+bc).
Imaginäre Einheit i
Zahl mit i² = −1, Grundbaustein der komplexen Zahlen.
Konjugiert komplexe Zahl z̄
Zu z=x+iy die Zahl z̄=x−iy; nützlich zur Division und zur Extraktion von Re/Im.
Die zu z = x+iy konjugiert komplexe Zahl ist z̄ = x−iy (Vorzeichenwechsel nur beim Imaginärteil). Sie ist der Schlüssel zur Division: erweitert man einen Bruch z1/z2 mit z̄2, wird der Nenner reell, denn z2 · z̄2 = x² + y² ist stets eine reelle, nicht-negative Zahl. Der Betrag |z| = √(x²+y²) misst den euklidischen Abstand des Punktes (x,y) vom Ursprung in der Gaußschen Zahlenebene, in der man z als Punkt (Re(z), Im(z)) auffasst. Es gilt stets z · z̄ = |z|².
Rechenregeln, die man im Umgang mit komplexen Zahlen ständig braucht: z̄̄ = z, (z1+z2)‾ = z̄1+z̄2, (z1·z2)‾ = z̄1·z̄2, sowie |z1·z2| = |z1|·|z2|. Außerdem gilt Re(z) = (z+z̄)/2 und Im(z) = (z−z̄)/(2i) — nützlich, wann immer nur der Real- oder Imaginärteil eines Ausdrucks gesucht ist, ohne vorher vollständig auf die Form x+iy zu bringen.
1.2 Polarform, Eulersche Formel und n-te Wurzeln
Jede komplexe Zahl z ≠ 0 lässt sich statt durch (Re(z), Im(z)) auch durch ihren Betrag r = |z| und ihren Winkel φ = arg(z) zur positiven reellen Achse beschreiben: z = r(cos φ + i sin φ). Mit der Eulerschen Formel e^(iφ) = cos φ + i sin φ schreibt man dies kompakt als z = r·e^(iφ) (Polarform bzw. Exponentialform). Die Umrechnung in kartesische Form erfolgt über x = r cos φ, y = r sin φ.
Eulersche Formel
e^(iφ) = cos φ + i sin φ — verbindet die Exponentialfunktion mit Sinus und Kosinus.
Polarform
Darstellung z = r·e^(iφ) einer komplexen Zahl über Betrag r und Winkel φ statt über Re(z)/Im(z).
Fundamentalsatz der Algebra
Jedes nicht-konstante Polynom vom Grad n mit komplexen Koeffizienten hat in ℂ genau n Nullstellen (mit Vielfachheit gezählt).
Die Polarform macht Multiplikation und Division besonders einfach: Beträge werden multipliziert/dividiert, Winkel werden addiert/subtrahiert. Daraus folgt auch die Formel von Moivre für Potenzen: zⁿ = rⁿ · e^(inφ). Für die n-ten Wurzeln einer komplexen Zahl w = ρ·e^(iψ) ≠ 0 gibt es genau n verschiedene Lösungen zₖ der Gleichung zⁿ = w, die gleichmäßig auf einem Kreis vom Radius ρ^(1/n) verteilt sind: zₖ = ρ^(1/n) · e^(i(ψ+2πk)/n) für k = 0, 1, ..., n−1.
Dass eine Gleichung zⁿ=w stets genau n Lösungen besitzt, ist ein Spezialfall eines viel allgemeineren Struktursatzes über ℂ, des Fundamentalsatzes der Algebra: Jedes nicht-konstante Polynom P(z) = a0+a1z+...+aₙzⁿ (aᵢ∈ℂ, n≥1) besitzt in ℂ genau n Nullstellen, mit Vielfachheit gezählt — es zerfällt also vollständig in Linearfaktoren P(z)=aₙ(z−z1)···(z−zₙ). Über ℝ gilt das nicht: Reelle Polynome zerfallen oft nur teilweise, weil manche Nullstellen (wie bei z²+1) rein komplex sind.
1.3 Komplexe Gleichungssysteme
Lineare Gleichungssysteme mit komplexen Koeffizienten löst man genau wie reelle LGS — mit dem Gauß-Algorithmus oder der Cramerschen Regel —, nur dass alle Rechnungen (Addition, Multiplikation, Division) jetzt in ℂ statt in ℝ stattfinden. Insbesondere darf man beim Umformen weiterhin Zeilen mit einer (komplexen) Zahl ungleich Null multiplizieren und Vielfache einer Zeile zu einer anderen addieren.
Ein häufiger Aufgabentyp verlangt, eine Gleichung mit z UND z̄ (z. B. z² − 2z̄ = c) nach z = x+iy aufzulösen: Man setzt z = x+iy ein, trennt die Gleichung nach Real- und Imaginärteil (die je einzeln null bzw. gleich sein müssen) und erhält so ein reelles Gleichungssystem in x und y.
1.4 Folgen und Reihen komplexer Zahlen
Eine Folge komplexer Zahlen (zₙ) konvergiert gegen einen Grenzwert z ∈ ℂ, wenn |zₙ − z| → 0 für n → ∞ gilt — Konvergenz in ℂ ist also nichts anderes als Konvergenz des reellen Abstands |zₙ−z| gegen 0. Äquivalent dazu konvergiert (zₙ) genau dann gegen z = a+ib, wenn sowohl Re(zₙ) → a als auch Im(zₙ) → b gilt: Man darf Real- und Imaginärteil getrennt betrachten.
Konvergenzradius
Radius R, innerhalb dessen eine Potenzreihe absolut konvergiert und außerhalb dessen sie divergiert.
Cauchy-Hadamard-Formel
Allgemeine Formel R=1/limsup|aₙ|^(1/n) für den Konvergenzradius einer Potenzreihe Σaₙzⁿ, unabhängig davon, ob aₙ eine einfache Form wie cⁿ hat.
Eine komplexe Potenzreihe Σ aₙ(z−z0)ⁿ konvergiert absolut für alle z mit |z−z0| < R und divergiert für |z−z0| > R, wobei R ∈ [0,∞] der Konvergenzradius ist. Für Reihen der Form Σ cⁿzⁿ mit konstantem c ∈ ℂ (geometrische Reihe in cz) liefert bereits die geometrische Reihe den Konvergenzradius R = 1/|c|, da absolute Konvergenz genau |cz| < 1 verlangt.
Ist der Koeffizient aₙ nicht von der einfachen Form cⁿ (also nicht konstant in n), liefert die Cauchy-Hadamard-Formel den Konvergenzradius allgemein: R = 1/limsup_{n→∞} |aₙ|^(1/n), wobei limsup den größten Häufungspunkt der Folge (|aₙ|^(1/n)) bezeichnet (0 bzw. ∞, falls dieser Ausdruck verschwindet bzw. unbeschränkt wächst, ergibt R=∞ bzw. R=0). Der Spezialfall aₙ=cⁿ von oben ergibt sich daraus, weil |cⁿ|^(1/n)=|c| für jedes n gilt.
Folgen und Häufungspunkte im Rⁿ
🔒 GesperrtBevor wir Stetigkeit mehrdimensionaler Funktionen untersuchen können, brauchen wir einen Konvergenzbegriff für Folgen von Vektoren. Erfreulicherweise überträgt sich vieles aus der eindimensionalen Analysis fast unverändert — mit einem entscheidenden Kniff: Konvergenz im ℝⁿ lässt sich komponentenweise prüfen.
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🔒 GesperrtDie Determinante ordnet jeder quadratischen Matrix eine einzige Zahl zu, die u. a. verrät, ob die Matrix invertierbar ist, wie sich Volumina unter der zugehörigen linearen Abbildung verändern, und die zur Berechnung von Eigenwerten unverzichtbar ist (Kapitel 5). Dieses Kapitel führt sowohl die axiomatische Charakterisierung als auch die praktische Berechnung ein.
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🔒 GesperrtEin und dieselbe lineare Abbildung sieht als Matrix ganz unterschiedlich aus, je nachdem, welche Basis man im Definitions- und im Bildraum wählt. Dieses Kapitel klärt, wie man zwischen verschiedenen Basisdarstellungen wechselt und wie Kern, Bild und Rang einer linearen Abbildung zusammenhängen.
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🔒 GesperrtEigenwerte und Eigenvektoren beantworten die Frage, in welchen Richtungen eine lineare Abbildung besonders einfach wirkt — nämlich nur durch Streckung. Dieses Kapitel zeigt, wie man sie berechnet und wann eine Matrix vollständig 'entkoppelt', also diagonalisiert werden kann.
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🔒 GesperrtDefinitheit beschreibt, ob eine (symmetrische) Matrix stets 'positive', stets 'negative' oder gemischte Werte liefert, wenn man sie als quadratische Form auswertet. Dieses Konzept ist die Grundlage für Optimalitätskriterien überall dort, wo mehrdimensionale Extremstellen bestimmt werden.
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🔒 GesperrtUm Längen, Winkel und Abstände im ℝⁿ zu messen, braucht man Normen und Skalarprodukte. Dieses Kapitel führt beide Konzepte ein und zeigt, wie sich mit dem Gram-Schmidt-Verfahren orthogonale Basen konstruieren und Projektionen berechnen lassen.
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Modul freischaltenStetigkeit mehrdimensionaler Funktionen
🔒 GesperrtStetigkeit im Mehrdimensionalen ist tückischer als im Eindimensionalen: Ein Grenzwert muss aus JEDER Richtung und JEDEM Annäherungspfad gleich sein. Dieses Kapitel zeigt, wie man Stetigkeit nachweist — und wie man sie mit geschickt gewählten Wegen widerlegt.
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Modul freischaltenGradient, Richtungsableitung und Tangentialebene
🔒 GesperrtDieses abschließende Kapitel fasst kompakt die wichtigsten Grundlagen der mehrdimensionalen Differentiation zusammen, die auch in der Semesterklausur auftauchen können — für eine ausführlichere Behandlung (Kettenregel, Hessematrix, Extremwertaufgaben) empfiehlt sich das Modul 'Mathematik 2: Abschlussklausur'.
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